Wie Sie naturwissenschaftliche Bücher lesen

Naturwissenschaftliche Bücher erfordern eine spezielle Herangehensweise, da Sie naturwissenschaftliche Bücher nicht wie einen Fließtext von vorne bis hinten durchlesen können. Stattdessen ist es entscheidend, dass Sie jede Information verstehen und in den Zusammenhang einordnen. Dazu müssen Sie mit dem Buch arbeiten, indem Sie intensiv über das Gelesene nachdenken und teilweise zwischen den einzelnen Konzepten hin und her blättern, um diese miteinander zu verbinden.

Um naturwissenschaftliche Bücher zu bearbeiten, sollten Sie die beschriebenen Methoden sowie Konzepte verstehen, üben und abspeichern. Dabei sollten Sie die Information immer zuerst verstehen, bevor Sie diese auswendig lernen. Denn die Kenntnis einer Formel oder Methode nützt Ihnen nichts, falls Sie nicht wissen, wozu Sie diese verwenden können. Außerdem erleichtert das Verständnis die Abspeicherung, da Sie sich so viele Formeln oder Schritte einer Methode herleiten können.

Naturwissenschaftliche Bücher verstehen

Um ein Konzept wirklich zu verstehen, sollten Sie die einzelnen Bestandteile des Konzeptes visualisieren und die Zusammenhänge zwischen diesen beschreiben. Dabei kann es hilfreich sein, sich selbst als Mittelpunkt eines Konzeptes anzusehen. Beim Lernen des elektrischen Stromkreises können Sie sich zum Beispiel vorstellen, selbst eines der Elektronen zu sein. Außerdem können Sie unter anderem eine Zeichnung oder eine Concept Map erstellen. So können Sie die Komponenten und deren Zusammenwirkungen leicht darstellen und nachvollziehen. Für mehrschrittige Methoden bieten sich Checklisten und Flussdiagramme an, um die Abfolge der einzelnen Schritte zu beschreiben. Auf diese Weise helfen Ihnen diese Skizzen nicht nur beim Verständnis, sondern auch bei der Anwendung, Abspeicherung und Wiederholung des Gelesenen.

Naturwissenschaftliche Bücher lesen und bearbeiten

Nachdem Sie eine Methode oder ein Konzept zusammengefasst haben, können Sie es mithilfe der Feynman-Technik ausführlicher beschreiben. Dabei sollten Sie das Konzept möglichst einfach und verständlich erklären, indem Sie Skizzen, Bilder, Notizen und Beschreibungen verwenden. Erläutern Sie insbesondere, zu welchem Zweck und auf welche Art und Weise die Methode angewendet wird. Zeigen Sie auch Beispiele sowie Sonderfälle und verweisen Sie auf andere Methoden oder Konzepte, welche in einem Zusammenhang zum beschriebenen Thema stehen. Des Weiteren können Sie recherchieren, warum und wie das Konzept entwickelt wurde. Beschreiben Sie, welches Problem das Konzept löst und was der Erfinder zu seinem Konzept sagt. So bekommen Sie wahrscheinlich eine neue Perspektive und können sich die Idee hinter dem Konzept leichter merken. Für einen strukturierten Aufbau Ihrer Erklärung können Sie die Cornell-Methode nutzen, indem Sie in die linke Spalte Zwischenüberschriften und Fragen schreiben und in die rechte Spalte daneben die dazugehörige Erläuterung. Beim Wiederholen des Lernstoffs können Sie dann die Beschreibung in der rechten Spalte verdecken und versuchen, diese auf Basis der Frage oder Überschrift in der linken Spalte zu reproduzieren. So können Sie sich leicht selbst testen.

Bild eines Mannes, der über das Gelesene nachdenkt

Wenn Sie sich selbst testen, sollten Sie versuchen, alle wichtigen Informationen zu dem jeweiligen Konzept aus dem Gedächtnis wiederzugeben. Wichtige Informationen sind unter anderem, was das Konzept aussagt, wie es aufgebaut ist, in welchen Fällen es verwendet wird und welche Schritte bei der Anwendung des Konzeptes zu beachten sind. Außerdem können Sie Ihr Verständnis eines Konzeptes prüfen, indem Sie das Konzept mithilfe der Feynman-Technik einer anderen Person, die von dem Fachgebiet wenig Ahnung hat, möglichst einfach erklären. Falls die Person Ihre schriftliche oder mündliche Erklärung des Konzeptes nicht versteht, sollte Sie diese entsprechend anpassen. Ein Vorteil dieser Methode besteht darin, dass Sie anhand der Fragen und Unklarheiten einer anderen Person erkennen, an welchen Stellen Sie Ihre Erklärung optimieren können und wo Sie gegebenenfalls selbst noch Verständnislücken haben.

Übung und Anwendung der Konzepte

Anschließend sollten Sie die Methoden und Konzepte selbst anwenden. Dabei sollten Sie verschiedene Arten von Aufgaben üben, welche unterschiedliche Methoden und Lösungswege erfordern. Dadurch lernen Sie neben der Anwendung einer Methode auch die Auswahl der richtigen Methode zur Lösung eines Problems. Dazu können Sie beispielsweise eine zufällige Seite im Buch aufschlagen und die Aufgabe auf dieser Seite üben. Falls das Buch eine Aufgabensammlung enthält, können Sie auch daraus eine zufällige Aufgabe auswählen. Eine weitere Möglichkeit zur regelmäßigen Übung gemischter Aufgaben besteht darin, Beispielaufgaben auf die Vorderseite von Karteikarten und die entsprechende Lösung auf die Rückseite der Karteikarten zu schreiben. Dabei können Sie beispielsweise Anki zur Verwaltung der Karteikarten nutzen. Dann üben Sie die Aufgaben mithilfe der verteilten Wiederholung, indem Sie die einzelnen Aufgaben schriftlich bearbeiten und Ihre Antwort mit der Lösung vergleichen.

Abspeicherung von Formeln und Konzepten

Sobald Sie die Konzepte verstanden und geübt haben, sollten Sie die wichtigsten Aspekte der Konzepte auswendig lernen. Dazu können Sie ebenfalls Karteikarten mit der verteilten Wiederholung lernen, wobei Sie auf die Vorderseite den Namen des Konzeptes und auf die Rückseite die Erklärung mithilfe der Feynman-Technik schreiben. Außerdem können Sie sich Formeln und Einheiten leicht merken, indem Sie die Zahlen mithilfe des Major-Systems in mentale Bilder umwandeln und diese zu einer einprägsamen Geschichte zusammenfügen. Auch das Finden einer Eselsbrücke oder eines Reims eignet sich gut zum Merken einer Formel. Zum Beispiel können Sie sich die Formel für das Volumen einer Kugel (4/3 * π * r³) mit folgende Merksatz leicht merken:

Was kugelt da an mir vorbei?
Vier Drittel Pi mal R hoch drei!

Mithilfe der Loci-Methode können Sie die einzelnen Schritte einer Methode memorieren oder eine Liste, wie die sieben Basiseinheiten der Physik oder das Periodensystem, auswendig lernen.

Bild von Konzepten und Formeln

Zudem eignen sich Metaphern und Analogien gut, um eine Verbindung zwischen dem zu lernenden Konzept und bereits Bekanntem herzustellen. Eine bekannte Analogie ist zum Beispiel jene zwischen dem elektrischen Stromkreis und dem Wasserkreislauf. Eine solche Analogie hilft Ihnen beim Verstehen und Abspeichern des neuen Konzeptes.

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