Buchreview: Speed Reading von Tony Buzan

Das Buch „Speed Reading: Schneller lesen – Mehr verstehen – Besser behalten“ von Tony Buzan wurde erstmals 1971 veröffentlicht und beschreibt Techniken, um die Lesegeschwindigkeit sowie das Textverständnis zu steigern.

Tony Buzan ist Autor in den Bereichen Lernen und Kreativität sowie Erfinder der Mind-Map-Technik.

Frontcover des Buches "Speed Reading" von Tony Buzan

Das Buch gliedert sich in folgende fünf Teile:

  1. Lesegeschwindigkeit und Textverständnis
  2. Ihre erstaunlichen Augen
  3. Superkonzentration und Textverständnis
  4. Entwickeln Sie Ihre fortgeschrittenen Lesefähigkeiten
  5. Der Weg zum Meisterleser

Das Buch enthält auch viele Übungen und Selbsttests, wo man das bisher Gelernte anwenden und dabei sein Lesetempo und Textverständnis testen kann.

LeserLesegeschwindigkeit (Wörter pro Minute)Verständnis
1. schlecht10-10030-50%
2. durchschnittlich200-24050-70%
3. gut40070-80%
4. Top 1 in 100800-1000Über 80%
5. Top 1 in 1000Über 1000Über 80%

Beispiel – Franklin D. Roosevelt

Roosevelt war einer der schnellsten Leser und konnte einen ganzen Absatz auf einen Blick lesen. Er trainierte seine Lesegeschwindigkeit, indem er immer mehr Wörter mit einer einzigen Fixierung aufnahm. Als er schließlich acht Wörter pro Fixierung lesen konnte, begann er das Lesen von zwei Zeilen auf einmal zu üben. Dann ging er die Zeilen im Zickzack hinunter und las kurze Absätze mit einer einzigen Augenbewegung.

Beispiel – Antonio di Marco Magliabechi

Magliabechi wurde 1633 in Florenz geboren und lernte in jungen Jahren im Geschäft eines Buchhändlers zu lesen. Dann begann er die erlernte Lesefähigkeit mit Gedächtnistechniken zu verbinden, bis er fast alles Gelesene vollständig erinnern konnte. Anschließend steigerte er seine Lesegeschwindigkeit weiter und speicherte immer mehr Bücher in seinem Gedächtnis. Er konnte dadurch eine ganze Seite mit ein oder zwei Fixierungen aufnehmen.

Als ein Autor seine Fähigkeiten testen wollte, gab er Magliabechi ein Manuskript, welches dieser noch nicht gelesen haben konnte. Magliabechi las das Manuskript sehr schnell und gab es zurück. Kurze Zeit später bat der Autor Migliabechi alles aufzuschreiben, woran er sich noch erinnern konnte. Daraufhin schrieb er das gesamte Manuskript nieder und übernahm dabei jedes Wort sowie jede Zeichensetzung.

Augenbewegung

Um Ihre Lesegeschwindigkeit zu verbessern, sollten Sie als Erstes Ihre Augenbewegung trainieren.

Dabei sollten Sie vor allem Regression vermeiden. Damit ist das Zurückspringen zu gerade gelesenen Textstellen gemeint, welche man glaubt, nicht richtig verstanden zu haben. Meistens verstehen Sie diese Stellen jedoch aus dem Kontext, wenn Sie einfach weiterlesen. Dementsprechend verlieren Sie durch das Zurückspringen nur Zeit. Wenn Sie beim Weiterlesen immer noch das Gefühl haben etwas nicht zu verstehen, sollten Sie auf jeden Fall den Absatz zu Ende lesen und erst danach die entsprechende Stelle nachlesen.

Eine andere Methode schneller zu lesen besteht darin, mehrere Wörter oder Wortgruppen auf einmal zu fixieren. Der durchschnittliche Leser fixiert jedes Wort einzeln und braucht dadurch für eine Zeile mit zehn Wörtern auch zehn Fixierungen. Wenn Sie also mit jeder Fixierung zwei Wörter aufnehmen, verdoppeln Sie Ihre Lesegeschwindigkeit. Dies können Sie fortsetzen, indem Sie die Anzahl an Wörter pro Fixierung immer weiter erhöhen.

Gleichzeitig können Sie Ihre Lesegeschwindigkeit natürlich auch dadurch erhöhen, dass Sie die Dauer der einzelnen Fixierungen verkürzen. Beispielsweise verdoppeln Sie Ihre Lesegeschwindigkeit, wenn Sie die Dauer Ihrer Fixierungen halbieren.

Es wird Ihnen deutlich leichter fallen, Ihre Augenbewegung zu kontrollieren und damit die oben beschriebenen Techniken anzuwenden, wenn Sie beim Lesen eine Lesehilfe verwenden. Eine Lesehilfe könnte zum Beispiel ein Stift oder ein Essstäbchen sein, welche Sie unter der Zeile langführen, welche Sie gerade lesen.

Meta-Lesehilfen

Die Meta-Lesehilfe-Techniken helfen Ihnen dabei, einen größeren Teil Ihres peripheren Sehvermögens zu nutzen und dadurch schneller zu lesen. Um diese Techniken zu üben, sollten Sie Texte mit der entsprechenden Technik sehr schnell lesen, ohne dabei auf Ihr Textverständnis zu achten. Sobald Sie sich an eine hohe Geschwindigkeit gewöhnt haben, lesen Sie mit normalem Tempo bzw. Textverständnis weiter.

Der Zwei-Zeilenschwung

Beim Zwei-Zeilenschwung lesen Sie immer zwei Zeilen auf einmal. Dabei führen Sie Ihre Lesehilfe unter zwei Zeilen entlang und bewegen diese danach entlang der nächsten zwei Zeilen. Dadurch nutzen Sie sowohl Ihr horizontales als auch Ihr vertikales Sehvermögen.

Der Rückwärtsschwung

Der Rückwärtsschwung verdoppelt Ihre Lesegeschwindigkeit, indem Sie beim Zeilenende Ihre Augen nicht einfach zum Anfang der nächsten Zeile bewegen, sondern die nächste Zeile rückwärts lesen und dann mit der übernächsten Zeile beginnen. Das Rückwärtslesen funktioniert, wenn Sie mehrere Wörter pro Fixierung aufnehmen und so die richtige Ordnung der Wörter erkennen.

Die „S“-Methode

Bei der „S“-Methode führen Sie Ihre Lesehilfe in der Form eines „S“ die Seite runter und nehmen den Text dabei sowohl vorwärts als auch rückwärts auf.

Darstellung der Augenbewegung beim Zwei-Zeilenschwung, der Rückwärtsmethode und der "S"-Methode
Darstellung der Augenbewegung beim Zwei-Zeilenschwung, der Rückwärtsmethode und der „S“-Methode

Die „Zickzack“-Methode

Bei dieser Technik führen Sie Ihre Lesehilfe einige Zeilen diagonal abwärts, ziehen am Rand eine kleine Schleife, bewegen dann rückwärts diagonal zurück, ziehen erneut eine Schleife und so weiter, bis zum Ende der Seite.

Die vertikale Wellenbewegung

Bei dieser Methode führen Sie Ihre Augen wellenförmig den mittleren Teil der Seite hinunter. Dadurch nutzen Sie den größtmöglichen Teil Ihres peripheren Sehvermögens.

Die beidseitige Lesehilfe

Hier verwenden Sie zwei Lesehilfen und bewegen diese gleichmäßig die Seitenränder hinunter, während Sie die dazwischenliegenden Zeilen lesen. Dazu können Sie Ihre normale Lesehilfe auf der einen und einen Finger auf der anderen Seite benutzen.

Darstellung der Augenbewegung bei der "Zickzack"-Methode, der vertikalen Wellenbewegung und der beidseitigen Lesehilfe
Darstellung der Augenbewegung bei der „Zickzack“-Methode, der vertikalen Wellenbewegung und der beidseitigen Lesehilfe

Texte überfliegen und Absatzstrukturen erkennen

Bevor Sie einen Text lesen, sollten Sie diesen Überfliegen und sich so einen Überblick von dem Inhalt und Aufbau des Textes verschaffen. Dabei helfen Ihnen die beschriebenen Meta-Lesehilfen. Anschließend können Sie Fragen sowie Bemerkungen am Rand notieren, sich über den Autor informieren und Ihr Vorwissen zu dem jeweiligen Thema in einer Mind-Map festhalten.

Sie können einen Text deutlich schneller überfliegen, wenn Sie die verschiedenen Arten sowie den Aufbau von Absätzen erkennen. Unterscheiden Sie dabei zwischen erklärenden, beschreibenden und verbindenden Absätzen.

Erklärende Absätze

Ein erklärender Absatz erklärt ein bestimmtes Konzept und ist meistens leicht zu erkennen. Der erste Satz verrät Ihnen, was in dem jeweiligen Absatz erklärt wird, und der letzte Satz fasst das Ergebnis zusammen. In der Mitte des Absatzes stehen die Details.

Beschreibende Absätze

Diese Absätze beschreiben in der Regel Ideen oder Dinge, die bereits erwähnt wurden oder im weiteren Verlauf noch nähergehend erörtert werden. Dadurch sind die meisten beschreibenden Absätze beim Überfliegen weniger wichtig.

Verbindende Absätze

Solche Absätze haben die Funktion, andere Absätze miteinander zu verbinden. Dadurch enthalten Sie häufig eine Zusammenfassung des Vorausgehenden oder eine Vorschau auf das Nachfolgende.

Taktmesser-Trainingsmethode

Nehmen Sie einen leicht zu lesenden Text und Ihre Lesehilfe. Lesen Sie den Text auf folgende Art und Weise mit größtmöglichen Verständnis. Dennoch kommt es bei dieser Übung hauptsächlich auf die Geschwindigkeit an.

  1. Lesen Sie eine Minute lang 100 Wörter pro Minute (WpM) schneller als normal
  2. Steigern Sie sich um weitere 100 WpM
  3. Steigern Sie sich noch weitere dreimal um 100 WpM
  4. Lesen Sie mit dieser Geschwindigkeit eine Minute lang auf Verständnis

Textverständnis verbessern

Um Ihr Textverständnis zu verbessern, müssen Sie zunächst Ihre Konzentration erhöhen. Deshalb sollten Sie alle 30 bis 60 Minuten eine Pause einlegen.

Außerdem werden Sie deutlich mehr von dem Gelesenen verstehen, wenn Sie den Text zuerst mithilfe der beschriebenen Techniken überfliegen.

Steigern Sie anschließend Ihre Motivation sowie Ihr Interesse an dem Text, indem Sie sich spezifische Ziele setzen und Fragen an den Text formulieren.

Passen Sie dann Ihre Lesegeschwindigkeit an Ihre Ziele und Ihr angestrebtes Textverständnis an. Wenn Sie auf Textverständnis lesen, sollten Sie nämlich etwas langsamer lesen als beim Lesen für Informationen.

Des Weiteren ist es hilfreich, wenn Sie Ihren Wortschatz stetig erweitern. Dazu bietet es sich an, die Bedeutung von häufig verwendeten Präfixen, Suffixen und Wurzeln zu lernen. Wenn Sie beispielsweise wissen, dass das Präfix „prä“ die Bedeutung „vor“ hat, können Sie sich die Bedeutung vieler Wörter erschließen, wie zum Beispiel Präfix, prähistorisch oder präventiv.

OMMST

Die organische Mind-Map-Studientechnik (OMMST) ist eine Methode, um effizienter für Studienzwecke zu lesen und so mehr von dem Gelesenen zu behalten.

Zunächst müssen Sie das Lesematerial durchsehen und eine Mind Map erstellen, in der Sie Ihr Vorwissen zu dem entsprechenden Thema festhalten. Außerdem sollten Sie sich Ziele setzen, welche Sie durch die Bearbeitung des Materials erreichen möchten.

Nach dieser Vorbereitung können Sie die Technik in folgenden vier Schritten anwenden:

  1. Überblicken: Verschaffen Sie sich einen genaueren Überblick von dem Lesematerial und wählen Sie die Informationsstellen aus, welche für Ihre zuvor formulierten Ziele und Fragen relevant sind.
  2. Durchsehen: Sehen Sie sich die ausgewählten Stellen an und markieren Sie die wichtigsten Informationen. Fokussieren Sie sich dabei besonders auf den Anfang und das Ende.
  3. Zusammenfassen: Erstellen Sie eine Mind-Map, um das Lesematerial zusammenzufassen.
  4. Überprüfen: Stellen Sie Ihre Mind-Map fertig, erreichen Sie Ihre Ziele und lösen Sie noch offene Probleme und Fragen.

Zeitungen lesen

Bevor Sie eine Zeitung lesen, sollten Sie sich genau überlegen, wozu Sie diese Zeitung lesen. Wenn Ihnen Ihre Absichten klar sind, überfliegen Sie die Zeitung und wählen die Textstellen aus, welche Sie genauer lesen möchten. Notieren Sei beim Lesen alle wichtigen Informationen und schneiden Sie alle Artikel aus, welche für Sie von längerfristigem Nutzen oder Interesse sind.

Zeitschriften lesen

Beim Lesen von Zeitschriften sollten Sie sich immer zuerst auf den Anfang und auf das Ende eines Artikels konzentrieren. Denn am Anfang wird direkt eine These aufgestellt und der Zweck des Artikels beschrieben. Im Hauptteil versucht der Autor dann den Leser durch Argumente, Beispiele, Bilder und andere Elemente zu überzeugen und am Ende fasst er den Text noch einmal zusammen.

Um alle Ihre Zeitschriften und Magazine durchzugehen, bietet es sich an, einen monatlichen „Blitzangriff“ auf Ihre Zeitschriften zu starten. Blättern Sie dabei alle Zeitschriften durch, indem Sie jede Seite innerhalb von einer Sekunde überfliegen und alle interessanten Seiten herausreißen. Anschließend teilen Sie die ausgerissenen Seiten in geeignete Kategorien ein und gehen diese durch.

Wissensdatei

Ihre Wissensdatei dient dazu alle wichtigen Informationen und Zusammenfassungen zu sammeln. Nehmen Sie dazu einen Aktenordner und legen Sie Trennblätter für Ihre Interessengebiete an. Dann können Sie alle Zusammenfassungen, Mitschriften, relevante Zeitungsartikel und andere Elemente unter dem entsprechenden Bereich abheften. Dadurch gehen Ihnen wichtige Informationen nicht mehr verloren und Sie können diese jederzeit nachschlagen.

Sie sollten Ihre Wissensdatei einmal im Monat mithilfe der gelernten Speed-Reading-Fähigkeiten sowie der organischen Mind-Map-Studientechnik durchgehen. Legen Sie dabei zu jedem Gebiet eine so genannte Master-Mind-Map an, welche das Wesentliche des jeweiligen Bereiches zusammenfasst. Anschließend heften Sie die Master-Mind-Maps direkt unter das entsprechende Trennblatt des Themengebiets.

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